Wandern in Heiligenborn

Ein fast verlassener Ort und eine düstere Geschichte

Heiligenborn

Heiligenborn im RothaargebirgeHeute stehen in Heiligenborn noch 4 Häuser und die alte Schule, die als Wohnhaus genutzt wird. Den Namen Heiligenborn hat der Ort von der Ilsequelle, die bereits im Mittelalter als heiliger Born über die Landesgrenzen hinaus bekannt war.

 

GrenzsteinAm 22.09.1515 wird Heiligenborn erstmals in einem Schriftstück erwähnt. Graf Johann von Nassau und Graf Wilhelm von Wittgenstein legen darin die Landesgrenzen fest.
Der alte Friedhof von Heiligenborn, an der Straße zum Jagdberg liegt inmitten einer bunten Berg-Blumen-Wiese [wenn nicht die Gemeinde-Arbeiter gerade gemäht haben] im hohen Wald. Unterhalb des Friedhofs verstecken sich Wochenendhäuser und -grundstücke.

Heiligenborn der alte BrunnenUm 1700 wollten die Wittgensteiner Grafen die landwirtschaftliche Fläche ausdehen und die Siedlung Heiligenborn entstand als sogenannte Kanonsiedlung. Das hieß, die Siedler mussten selbst roden und das Land urbar machen, brauchten aber nur einen jährlichen Zins, den Canon, zu zahlen.Von allen sonstigen, üblichen Abgaben waren sie befreit.

brunnenDie Kanonisten waren häufig Köhler und kamen aus fernen Teilen des Landes, wo sie wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Damals standen hier oben etliche Häuser, von denen inzwischen nur noch der alte Brunnenschacht von Gerhards Haus, und die alte, umgestürzte, aber wieder ausgeschlagene Linde zu sehen ist.

Heiligenborn blühende ArnikaUm 1850 verkauften die Bewohner ihren Besitz an die Fürstliche Verwaltung in Laasphe und verließen ihre Häuser, viele von ihnen sind nach Amerika ausgewandert. So auch Johann Gerhard, der letze Besitzer von Gerhards Haus, das 1859 abgebrochen wurde. Nur Ruppes Hof [der ehemalige Gasthof], Häusches und die Dorfschule stehen in der Tallage bis heute.

Heiligenborn die alte LindeUm den verlassenen Ort oberhalb der Ilsequelle ranken sich düstere Sagen. So sollen in einem der Häuser [Lindenhof?] häufig müde Wanderer übernachtet haben. Stets fanden sie dort eine Herberge und gute Bewirtung. Die Zahl der Gäste wurde immer größer, nur im Winter wurde es ruhig um den heiligen Born. An einem eiskalten Wintertag kam ein erschöpfter Wanderer und bat um Einlass.

ArnikaDie Frau des Wirtes hatte gesehen, dass der Gast eine gut gefüllte Geldkatze bei sich trug. Nun trachtete sie, das viele Geld an sich zu bringen und überredete ihren Mann, den im tiefen Schlafe liegenden Fremden zu ermorden und berauben.Als die beiden Wirtsleute das Geld auf mörderische Weise an sich gebracht hatten, wollten sie, aller Sorgen ledig, ein lustiges Leben führen. Aber Angst und Grauen befiel die beiden und lies sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Das Leben wurde ihnen zur Hölle. Mitsamt dem Gold flohen sie vor ihrer Angst in ein fernes Land. Der einsame Ort über dem heiligen Born blieb eine Stätte des Grauens, in nebeligen Nächten zeigte sich dort ein Mann ohne Kopf. Viele bekamen das Gespenst zu Gesicht, Schrecken ergriff die Wanderer und Waldarbeiter, die sich dorthin verirrt hatten. Erst nach dem Tod des Wirtshauspaares in dem fremden Land ist auf dem heiligen Born ist wieder Ruhe eingekehrt.

Heiligenborn SchulwegRechts an der ehemaligen Kanonsiedlung vorbei führte der Schulweg der Sohler Kinder, die bis Ende der 1960iger Jahre in Heiligenborn zur Schule gingen.
Die Kinder aus Sohl, ebenfalls eine Kanonsiedlung aus dieser Zeit, mussten zur Schule eine Stunde durch den Wald laufen, im Winter sogar eineinhalb Stunden! Wenn der Schnee besonders hoch lag, schob ein provisorischer Schneepflug den Schulweg frei. Zugleich verlief hier auch die Grenze zwischen der Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein und den Nassauischen Landen, alte Grenzsteine säumen noch den Weg.

Heiligenborn Folgt man dem kleinen Waldpfad links an der Linde vorbei, gelangt man zur Ilsequelle, deren Quellgebiet mit sieben Quellen direkt unterhalb der alten Siedlung beginnt. Heute sind die umliegenden Wälder von Heiligenborn in Privatbesitz. Ruppes Hof, der ehemalige Gasthof von Heiligenborn ist seit einigen Jahren restauriert.

Weiterführende Links:
Heiligenborn bei Wikipedia  Wandern