Ilsequelle im Rothaargebirge

Ilsequelle

Die heilige Ilsequelle im schönen Ilsetal
Wellness in alten Zeiten an einer heiligen Quelle

IlsequelleBereits im Mittelalter war die Ilsequelle als heilige Quelle berühmt, Kranke wallfahrteten hierher, um durch das heilige Wasser Linderung zu finden. In der Reformationszeit hörten die Wallfahrten allerdings erst einmal auf. Anfang 1600 kamen wieder zahlreiche Pilgerer und Kranke, auch von weit her, aus Marburg, Kassel, Köln und Düsseldorf zur Ilsequelle. Einige hundert „Kurgäste“ pro Jahr erhofften sich Heilung und Linderung. Von Herborn und Oberroßbach lieferten die Bauern Früchte und von Ebersbach, Dillenburg und Siegen wurden Lebensmittel zur Beköstigung der Pilgerer verkauft. Die nassauischen Grafschaften Dillenburgs und Siegens erkannten hier eine große Einnahmequelle.


Der Graf von Nassau-Siegen,

Johann der Mittlere, und der Graf von Hachenburg machten dem Besitzer der Heilquelle, dem Grafen Ludwig von Wittgenstein, „Vorschläge zur Einrichtung einer ordentlichen Brunnenanstalt*:

  1. Das Holz um die Quelle herum auszuroden. (Bis dahin war rings um die Quelle noch geschlossener Wald.)
  2. Dreißig bis vierzig Hütten „von feinen Brettern und Spalten Holzes“, wie sie die Köhler zuzurichten wissen, aufzubauen, um den Kranken nicht nur Obdach zu gewähren, sondern auch um sie nach Verschiedenheit der Krankheit voneinander zu trennen.
  3. Für den Brunnenvogt ein Sommerhaus aufzubauen und mehrere Zelte zur Aufnahme vornehmer Leute, so nur des Tages über dort bleiben und die Kosten zweifelsohne wohl belohnen würden.
  4. Einen Brunnenwart anzustellen. Die Zufuhr der Victualien erwartete man vom In- und Auslande, wie denn solche bisher von Herborn, Röspe (Oberroßbach) , Ebersbach, Dillenburg und Siegen bezogen waren, weil solche im abgelaufenen Jahr sich allda finden lassen, und einen ziemlichen Vorteil verspüret.
  5. In einiger Entfernung von diesem Brunnen einige Bäder anzulegen. (Bis dahin war vermutlich das Wasser nur zum Trinken benutzt worden.)
  6. Zur besseren Erkundigung der Straßen etliche Säulen und Wegweiser uff die Straßen uff zu richten.
  7. Einen neuen Almosenstock, “ verwahrlichter als zuvor“, aufzurichten , und besondere Aufseher darüber zu bestellen.
  8. Durch die benachbarten Geistlichen abwechselnd jeden Sonntag dort predigen zu lassen.“

IlsetalAm 22.08.1622 wird der neue Almosenstock, sicher verwahrt und vom Brunnenwart versorgt, aufgestellt. Die ersten Spender waren Graf Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg und Gemahlin, „welche sich diese Anstalt, ganz gnädig gefallen lassen“. Höchste Herrschaften kamen damals zum heiligen Born. Ein Badeweiher, der bis heute erhalten ist, wurde errichtet. Hütten und Zelte zur Beköstigung und Unterbringung standen vermutlich zahlreich im Tal. Auf dem heute nur noch schmalen Weg wird viel Verkehr gewesen sein. Stelle man sich die Reisebedingungen, auf den zum Teil tief eingefahrenen Wegen, für die Kranken und Schwachen einmal vor!

Die Abrechnung für die Monate August bis November 1622 ist noch erhalten*:

„10009 Groschen
54 ganz Kopfstück
358 halber Kopfstück
53 ganze Sechsbätzner
27 Eisenacher Sechsbätzner
29 Reichsbatzen
158 hessische und waldeckische Batzen
75 Petermänncher
3 harte Königstaler
13 harte Reichstaler
2 Straßburger Batzen
3 Berleburger Sechsbätzner
11 Spitzgroschen
6 Mariengroschen
944 Werstpfennige
2 Schenkenberger
6 Blafferte
6 Realen
1 Bergischer Taler
4 Mannsfelder Batzen
4 Brandenburger Sechsbätzner
57 Rädergulden
13 Albus

1623 den 24. Mai wurden mehrere bei dem Brunnen eingegangene ungültige Münzen, die Mark zu 2 Taler, an den Johann Jorge von Essen zu der Schmalenburg für 70 Taler verkauft. “

Diese 1622 in zehn Wochen eingegangenen Almosengelder betragen nebst den am 24. März 1623 verkauften, nicht mehr in Kurs befindlichen Münzen rund 1.022 EURO. Sicher damals eine große Summe, die mit dem Tourismus verdient wurde. Die gesammtelten Almosen wurden zum Teil unter den Armen, die sich bei der Quelle aufhielten, verteilt, ein anderer Teil wurde als kirchlichen Almosenfonds, das sogenannte Heilbrunnengeld, unter die Kirchen der Grafschaft Wittgenstein ausgegeben und teilweise wurde das Geld auch zur Linderung akuter Notstände verwendet. Das „Heilbrunnengeld“ wurde jedoch den einzelnen Kirchen angerechnet und musste verzinst werden.

Am 6. Juli 1636 bat der Pfarrer Jodocus Wunderlich zu Feudingen um Unterstützung für seine arme Gemeinde: „Gegenwärtige Hungersnot meiner armen Zuhörer treibt mich, solches zu monieren. Manch armer Hausmann unter meinen Zuhörern wird von dem Allerhöchsten mit der Pestseuche heimgesucht; er hat kein Brod, kein Mittel, muß bald mit den Seinigen eher Hungers als an der Seuche sterben; auch kann einer dem anderen nit mehr beispringen, wie wohl zuvor geschah.“ *

Der 30jährige Krieg beendete das bunte Badeleben an der Ilsequelle. Die Straßen wurden zu unsicher, die Pest wütete in den Orten und Hungerjahre rafften die Bevölkerung dahin. In den alten Geschichten heißt es, die zurückgelassenen Krücken der Geheilten hätten noch Jahre später in den Bäumen gehangen. Die letzte Wunderheilung an der Ilsequelle fand 1862 statt. Damals wurde eine seit Jahren gichtkranke Frau, die kaum noch laufen konnte nach sechswöchiger Trinkkur geheilt. Diese Geschichte bewirkte noch einmal regen Zulauf an der heiligen Quelle.

Heute ist die Ilsequelle wieder mit dem alten Stein vom 17. Jahrhundert einfasst, er war im 19. Jahrhundert nach Laaspherhütte verschleppt worden. In der Mitte des Steins befindet sich eine viereckige größere Öffnung, unter der einst der Opferstock angebracht war. Seit einigen Jahren sind an der Ilsequelle neue Bänke und Liegestühle, wie überall am Rothaarsteig, aufgestellt.

Das Wasser wird inzwischen wieder von vielen Menschen geholt, mit Kanistern und ganzen Flaschenkästen auf Wagen wird es oberhalb des Ilsetales am Parkplatz in Heiligenborn in die Autos geladen.

*Quelle:Kulturgeschichte Wittgenstein II